Sprache schafft Wirklichkeit

KjG bestärkt Position zu Geschlechtergerechtigkeit

Auf dem Bundesrat im März 2018 hat die KjG aus aktuellem Anlass folgende Positionierung einstimmig beschlossen:

Der Bundesgerichtshof hat im März 2018 entschieden, dass Frauen in Formularen kein Anrecht auf eine Anrede, die sie miteinschließt, haben. Die Begründung ist, dass „die Verwendung generisch maskuliner Personenbezeichnungen keine Benachteiligung“ darstellt. Das wurde nicht nur durch mehrere wissenschaftliche Studien widerlegt, es widerspricht auch der Tatsache wie wir Sprache erleben.

Die KjG setzt sich seit ihrer Gründung für die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen sowie Männern und Frauen ein. Das tut sie durch die geschlechts-paritätische Besetzung von Leitungs- und Wahlämtern. Das tut sie auch indem sie eine sensible und wertschätzende Sprache benutzt, die alle Menschen miteinschließt. Die KjG kämpft gegen jede Form von Diskriminierung. Das Auslassen von Mädchen und Frauen im Sprachgebrauch ist so eine systematische Diskriminierung. Sie trifft vor allem Mädchen und junge Frauen während ihrer Sozialisation und Suche nach einem Platz in der Gesellschaft hart.

Dass seit 2000 Jahren so gesprochen werde und die männliche Form deswegen alle Menschen ansp recheund meine, ist das wohl schlechteste Argument des BGH. Übersetzt heißt das: „Wenn schon seit 2000 Jahren diskriminierend gesprochen wird, sollte diese Diskriminierung jetzt so weiter gehen.“ Dies zeigt wie stark die männliche Dominanz in dieser Gesellschaft immer noch verankert ist.

Das Problem ist jedoch tiefgreifender als Sparkassen-Formulare. In den meisten Gesetzesstexten sowie unserem Grundgesetz ist nur die Rede von „Bürgern“, was „Bürgerinnen“ kategorisch ausschließt. Das zeigt auch wie wichtig der Einsatz für eine gerechte Gesellschaft für alle Geschlechter ist. Die KjG wird weiter für so eine Gesellschaft kämpfen. Diskriminierung aller Art verurteilen wir.
Mit einer gerechten Sprache schaffen wir es, Jungen und Mädchen in einer Gesellschaft aufwachsen zulassen, die nicht vorbestimmt welche Rolle der*die Einzelne zu spielen hat.
Wir solidarisieren uns mit Marlies Krämer und hoffen, dass sie auf ihrem weiteren Weg durch di e Gerichteerfolgreich ist. Auch wenn der Schritt klein erscheint: Er kann ein Anfang sein, systematische Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu beenden.

Sprache kann nur gerecht sein, wenn sie alle Geschlechter gleichbehandelt und auch gleich sichtbar
macht.

1 Vervecken, D. (2012). The Impact of Gender Fair Language Use on Children’s Gende red Occupational Beliefs andListeners’ Perceptions of Speakers. Dissertation an der Freien Universität Berlin.
Köser, Sara; Kuhn, Elisabeth A.; Sczesny, Sabine (2015). Just Reading? How Gender-Fair Language TriggersReaders’ Use of Gender-Fair Forms. Journal of Language and Social Psychology, 34, 343 – 357. doi:10.1177/0261927X14561119
2 Siehe K jG-Beschluss „Geschlechtervielfalt in Rede, Schrift und Bild“, 2014

Related Posts